Die eigene Auszeit planen

Auszeiten vom Alltag und der Rückzug in die Stille können uns helfen, Erholung vom hektischen Alltag zu finden und den Bezug zu uns selbst zu vertiefen. Auch die Abkehr von den vielen Impulsen und Reizen der Medien und vom Lärm der Großstadt werden oft als heilsam erlebt. Äußere Stille hilft uns zudem, innerlich stiller zu werden und den vielleicht chaotischen Gedankenstrom und aufgewühlte Gefühle zur Ruhe kommen zu lassen.

Bei der Planung der eigenen Auszeit sollten Sie sich im Vorfeld klar darüber werden, ob Sie lieber eine Auszeit alleine (z.B. in einer Hütte, in der Natur, als Einzelgast in einem Kloster oder Wellnesshotel) oder eine Auszeit in Begleitung suchen (z.B. im Rahmen eines Seminars oder einer betreuten Zeit in einem Kloster).


Auszeit allein

Es gibt heute zahlreiche Gästehäuser und Hotels, die zum individuellen Rückzug einladen und die zudem für ein hilfreiches Maß an äußerer Stille sorgen. Vielleicht kennen Sie ja auch jemanden, der ein Ferienhaus in stiller Umgebung, eine Gartenlaube oder eine Zweitwohnung besitzt, in die Sie sich kostengünstig einige Zeit einquartieren können. Wenn Sie sich alleine zurückziehen, haben Sie den Vorteil, dass Sie keine Rücksicht auf andere Menschen und auf vorgegebene Zeitstrukturen nehmen müssen, sondern ganz Ihrem eigenen Rhythmus folgen können.

Die Herausforderung einer Auszeit ohne Begleitung hingegen ist, dass Sie alleine der Versuchung gegenüberstehen, mal „eben“ die E-Mails auf dem Handy zu checken, „kurz“ die Nachrichten zu lesen oder „kurz“ die Sozialen Medien zu besuchen. Die Gefahr dabei ist, dass Sie den Alltag mit all seinen Ablenkungen und Zerstreuungen mitnehmen und am Ende enttäuscht feststellen müssen, dass Sie die Auszeit nicht so für sich genutzt haben, wie Sie es sich gewünscht hatten. Prüfen Sie daher ehrlich, welche Strukturen und „Regeln“ Ihnen dienlich sind und wie Sie diese für sich selber einhalten können.

In Zeiten der Stille können auch unangenehme Gedanken oder Gefühle hochkommen, die in der Alltagshektik und in unseren Routinen bisher verdrängt wurden und deren Bewusstwerdung eine Herausforderung darstellen kann. Solche Gedanken und Gefühle zu erlauben – zum Beispiel Langeweile, Leere oder Unruhe – kann sich als sehr heilsam darstellen, wenn wir ihnen in Stille begegnen und ihnen ermöglichen, sich und uns zu verwandeln. Manchmal ist es jedoch unterstützend und vielleicht notwendig, sich begleiten zu lassen, um sich selbst nicht zu überfordern. Insofern sollten Sie im Vorfeld ehrlich prüfen, wieviel Stille Sie sich alleine „zumuten“ wollen.

Wenn Sie sich mit Lebensmitteln selbst versorgen, dann denken Sie daran, dass Sie Zeit für Einkaufen, Kochen und Spülen einplanen müssen. Diese Tätigkeiten müssen uns nicht von der Stille fernhalten. Wenn Sie jedoch dazu neigen, sich immer beschäftigt zu halten und nicht zur Ruhe zu kommen, so prüfen Sie im Vorfeld, ob Sie sich nicht eine Auszeit mit Vollverpflegung gönnen. Andernfalls könnte es passieren, dass Sie am Ende Ihrer Auszeit feststellen müssen, dass Sie sehr viel Zeit mit „Erledigungen“ und „Besorgungen“ verbracht und letztlich ebenfalls wieder den Alltag mit in Ihre Auszeit genommen haben.

Neben Gästehäusern und Hotels bieten auch Klöster und Klosterhotels die Möglichkeit, sich für einige Zeit alleine zurückziehen. Dabei profitieren die Gäste von der klaren Tagesstruktur sowie der Erfahrung in der Begleitung und Unterstützung von Menschen auf ihrem Weg in die Stille. Denn seit jeher sind Klöster als Orte des Rückzugs und der Besinnung darauf ausgerichtet.

Heute haben die meisten Klöster Gästebereiche innerhalb oder außerhalb der Gebäude für die Ordensmitglieder. Ebenso wie zahlreiche Stille- und Exerzitienhäuser befinden sich viele traditionelle Klöster an Orten in der Natur, oft idyllisch gelegen. Ausstattung und Zimmerstandard variieren dabei von Haus zu Haus. Das Übernachtungsangebot reicht von einfachen Kammern auf Spendenbasis bis hin zu komfortablen Gästezimmern zum Hotelpreis. Neben Häusern mit katholischem oder evangelischem Hintergrund gibt es zunehmend überkonfessionelle Häuser, die allen Traditionen gegenüber offen sind. Auch viele konfessionelle Orte sind heute offen gegenüber Nicht-Gläubigen und Anders-Gläubigen.

Folgende Tipps haben sich für viele Menschen als nützlich erwiesen, die eine Auszeit für sich genommen haben:

  • Teilen Sie Ihrem Partner, Ihren Freunden und Arbeitskollegen mit, dass Sie für den Zeitraum Ihrer Auszeit nicht erreichbar sind (oder nur in Notfällen bzw. nur zu engen Zeitslots). In der Regel sind wir abkömmlicher als wir uns selbst eingestehen mögen. Jeder hat zudem ein Recht auf wirkliche Auszeiten; die Tugend der ständigen Erreichbarkeit ist aus gesundheitlicher und psychologischer Sicht eher eine Untugend.

  • Wenn Sie E-Mails während Ihrer Auszeit erwarten, richten Sie einen E-Mail-Autoresponder ein, der dem Absender bei eingehenden E-Mails mitteilt, dass Sie bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht erreichbar sind. Sie können in dem Antworttext auch auf eine Vertretung, einen Kollegen oder eine Kollegin verweisen. Idealerweise informieren Sie den Absender auch, dass Sie die E-Mails NICHT lesen und sich erst nach Ihrer Rückkehr mit ihnen befassen. Die Einrichtung eines E-Mail-Autoresponders ist in der Regel nicht aufwändig und hängt von dem jeweiligen E-Mail-Programm ab, welches Sie verwenden. Anleitungen finden Sie z.B. hier.

  • Lassen Sie Ihr Handy, Ihr Tablet und Ihren Computer zuhause. So kommen Sie nicht in Versuchung, „mal eben“ etwas für die Arbeit zu machen, E-Mails zu checken, auf Youtube Filme zu schauen, die Nachrichten zu lesen oder Social Media-Kanäle zu konsumieren. Andernfalls müssen Sie am Ende Ihrer Auszeit schlimmstenfalls feststellen, dass Sie die wertvolle Zeit zerstreut oder „totgeschlagen“ haben, anstatt sie als Kraft- und Inspirationsquelle für sich genutzt zu haben. Es gibt günstige Handys ohne Vertrag – z.B. das Nokia 105 für ca. 20,- Euro – mit denen man im Wesentlichen nur telefonieren und Textnachrichten versenden kann. Zudem gibt es günstige Prepaid-SIM-Karten – z.B. die Aldi Talk Basis-Prepaid-Tarif-Sim-Karte für 10,- Euro – die Ihnen ermöglichen, für Ihre Liebsten und wichtigsten Kontakte im Zeitraum Ihrer Auszeit (in Notfällen oder zu bestimmten engen Zeitfenstern) unter einer separaten Telefonnummer erreichbar zu sein.

  • Machen Sie sich im Vorfeld bewusst, was Sie sich von der Auszeit versprechen. Vielleicht haben Sie eine Frage, die Sie klären wollen. Oder Sie wollen einfach nur sich selbst wieder näher kommen. Es kann auch sein, dass Sie Kraft für eine Entscheidung oder eine anstehende Herausforderung tanken wollen. Egal, was Sie sich mit der Auszeit erhoffen: Es ist gut, sich im Vorfeld darüber klar zu werden. Diese Klarheit gibt Ihnen die Ausrichtung für die Zeit und gibt Ihnen Stärke gegenüber Ablenkungen, Zerstreuungen, alten Gewohnheiten oder – in Anbetracht von Langeweile, Leere, Orientierungslosigkeit oder anderen ungewohnten herausfordernden Kräften – Fluchtimpulsen, die den Abbruch der Auszeit suchen.


Wenn Sie eine Auszeit in Begleitung suchen, so finden Sie hier Anregungen und Tipps.

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